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Kultur? Nein, danke?

Einer der wichtigsten Fürsprecher im zähen Kampf um die Anerkennung des Computerspieles als Kulturgut, findet sich im Deutsche Kulturrat e.V (http://www.kulturrat.de). Das ist sicher für viele Spieler überraschend, assoziiert man mit „Kulturrat“ doch automatisch uralte, stocksteife Anzugträger, die intellektuell und hochtrabend über weltfremde Themen diskutieren. Ein elitärer Club von versnobten Kunstmäzenen. Auf der Internetpräsenz des Rates, wird man eines besseren belehrt.

Das Credo des Kulturrates liest sich noch so interessant, wie die FAZ Sonntagsausgabe: „Ziel des Deutschen Kulturrates e.V. ist es, bundesweit spartenübergreifende Fragen in die kulturpolitische Diskussion auf allen Ebenen einzubringen.“. Wirklich spannend für uns Gamer wird es schon bei den deutlichen Stellungnahmen des Kulturrates, insbesondere des Geschäftsführers, Olaf Zimmermann, zum Thema Videospiele. Sein aktueller Kommentar zu der Rede des Innenministers Herrmann zeigt deutliche Schärfe:

Berlin, den 03.09.2008. Vor eineinhalb Jahren, im Februar 2007, forderte der Deutsche Kulturrat die Politik auf, beim Verbot von Computerspielen nicht über das Ziel hinauszuschießen. Die seit dieser Zeit geführte differenzierte Debatte zu Computerspielen hat populistische Forderungen nach einem Verbot von gewalthaltigen Computerspielen auch für Erwachsene in den Hintergrund treten lassen. Jetzt hat der Bayerische Innenminister Joachim Hermann die Forderung nach Verboten für Computerspiele wieder ins Gespräch gebracht.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Eigentlich war die Debatte um das Verbot von gewalthaltigen Computerspielen längst beendet. Sowohl in der Politik als auch in den Verbänden bestand Einvernehmen, dass die Kraft besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sowie in die Auszeichnung guter Computerspiele gesteckt werden sollte, statt in einen Verbotsaktionismus zu verfallen, der in Zeiten des Internets ohnehin schwer durchsetzbar ist. Anerkanntermaßen hat Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten besonders strikte Jugendschutzregelungen und das ist auch gut so. Handlungsbedarf besteht darin, gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele stärker bekannt zu machen. Der geplante Deutsche Computerspielepreis der Bundesregierung zielt genau in diese Richtung und ist daher eine positive Maßnahme. Dem Vernehmen nach bemüht sich gerade die Bayerische Staatsregierung besonders darum, dass der Preis in München verliehen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach dem Verbot von Computerspielen ein schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten.“

Ein weiterer großer Schritt, mit deutlichem Symbolcharakter, ging in den Medien fast total unter. Die Aufnahme des „Bundesverband der Entwickler von Computerspielen“ (http://www.game-bundesverband.de/reloaded/index.php) kurz GAME genannt, als festes Mitglied des Kulturrats. Ein entscheidende, wichtige und vor allem richtige(!) Aktion, die ganz klar zeigt, dass das Medium Computerspiel längst Teil unserer Kultur ist, auch wenn es viele Teile der Gesellschaft nicht wahrhaben wollen.

Künstler arbeiten an jedem Spiel mit, Geschichten von großer Tiefe werden erzählt, Emotionen geweckt, zur Reflektion angeregt. Großes Produktionen wie „GTAIV“ oder, „Metal Gear Solid“ unterscheiden sich weder in der Ausführung, noch ich in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung von Hollywood Produktionen. Trotzdem wird scheel und arrogant auf sie herabgeblickt und die grundsätzliche Akzeptanz die jedem billigen Filmchen dargebracht wird, muss im Videospielbereich schwer erkämpft werden. Eine seltsame Doppelmoral, beruhend auf der alten Urangst des Menschen: Was fremd ist, ist böse!

Der Kulturrat arbeitet aktiv gegen diese Ablehnung, wofür alle Spieler dankbar sein sollten. Ein Blick darf jeder Mal riskieren, die Kommentare und Dossiers zu dem Thema sind wirklich empfehlenswert:

http://www.kulturrat.de/text.php?rubrik=72

» Hier könnt Ihr Eure Kommentare Posten

Geschrieben von: vagantx [ Redakteur ] Datum: 04.09.2008 | 11:18 Uhr
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